21.09.2018

Vitamin D-Mangel und Knochenbruchhäufigkeit im Alter

Ein Vitamin D-Mangel wurde in der Vergangenheit für eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden verantwortlich gemacht. Gegenstand der Forschungen beim Vitamin D betreffen häufig den Knochenstoffwechsel, da ein Vitamin D-Mangel im Wachstumsalter ja die Rachitis und im Erwachsenenalter die Osteopenie/Osteoporose auslöst, zwei Erkrankungen des Knochen(-stoffwechsels). Die wichtige Rolle des Vitamin D im Knochenstoffwechsel ist auch seit Jahrzehnten sehr gut belegt.
2014 wurde erstmals gezeigt, dass Knochenbrüche bei älteren Patienten unabhängig von deren Vitamin D-Werten auftraten. Nun konnte eine große Meta-Analyse (23 Studien, 500.000 Patienten mit insgesamt 188.000 Knochenbrüchen) dieses Ergebnis bestätigen: Höhere Vitamin-D Werte schützen nicht vor Knochenbrüchen, sehr hohe Vitamin D-Spiegel (>100nmol/ml) waren sogar wieder vergesellschaftet mit erhöhten Knochenbruchraten und Sturzereignissen.
Dieses Ergebnis ist aus verschiedenen Gründen mit Vorsicht zu interpretieren. Zum einen schwankt die Qualität der eingeschlossenen Studien erfahrungsgemäß, zum anderen besteht wenig bis gar kein Konsens darüber wie ein Vitamin-D-Mangel überhaupt definiert wird. Klar scheint nur zu sein, dass "viel nicht viel hilft" und sehr hohe Vitamin D-Werte schädlich sind.
Für uns gibt es aktuell (noch) keinen Grund von unserem Vorgehen der Vitamin D-Substitution abzurücken. Sehen wir doch im klinischen Alltag regelmäßig die positiven Effekte der Vitamin D-Substitution z.B. auf Stimmung, Muskulatur und Immunsystem, wenn initial deutliche Mangelzustände (<20nmol/ml) vorliegen.

20.08.2018

Wer wird von Mücken gestochen?

Warum manche Menschen häufiger von Mücken gestochen werden als andere, wurde in der Vergangenheit immer mal wieder untersucht. Postulierte Zusammenhänge wie die Blutgruppe, die Höhe des Cholesterins, die Hautfarbe oder die Nahrungspräferenz konnten nie bewiesen werden. Fakt ist, dass die Annäherung der Mücken an den menschlichen Körper über die CO2-Konzentration erfolgt. Dieses gasförmige Molekül wird von uns ausgeatmet. Aber wir alle atmen CO2 aus, und dieses auch in vergleichbaren Mengen.
Eine neuere Untersuchung konnte jetzt zeigen, dass die Mikrobiota (= Gesamtheit von Keimen auf unserer Haut) der entscheidene Faktor ist. Diese Keime (im wesentlichen Bakterien und Pilze) sind stoffwechselaktiv. Menschlicher Schweiß ist z.B. geruchlos, Keime verstoffwechseln diesen aber, so dass er anfängt zu riechen.
Leider wissen wir noch nicht konkret, welche Substanz/Substanzen die Keime produzieren und damit die Mücken anlocken, so dass wir hieraus noch keine therapeutische Empfehlung ableiten können. Aber vielleicht können das weitere Untersuchungen zeigen - stellen durch Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber die Menscheit vor große medzinische Probleme und und ein wirkungsvoller Mückenschutz wäre ein sinnvoller präventiver Ansatz. Bis dahin bleibt es bei den bekannten Maßnahmen gegen Mücken wie Kleidung, Mückennetze oder Repellentien.

08.07.2017

Kaffeetrinker leben länger

Dieses "medizinische Gerücht" besteht schon länger: "Leben Kaffetrinker länger", bzw. hat Kaffeekonsum einen lebensverlängernden Effekt?
2017 wurde im "Annals of Internal Medicine" schon eine gut gemachte Studie zum Thema Kaffekonsum und Lebenszeit publiziert. In dieser Studie wurden mehr als 700.000 Personen untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Kaffeetrinker signifikant weniger Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes und Nierenerkrankungen entwickelten.
Aktuell wurde im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) eine weitere Studie publiziert. Thema dieser Studie war, ob auch ein starker Kaffeekonsum (8 Tassen/Tag) noch mit einem positiven Effekt auf das Überleben vergesellschaftet war. Dieses konnte bestätigt werden. Der Effekt war übrigens unabhängig davon ob der Kaffee koffeinhaltig oder koffeinfrei war. Das Koffein spielt hierbei somit keine Rolle. Für den positiven Effekt werden andere Substanzen verantwortlich gemacht, die bislang aber noch nicht identifiziert werden konnten.
Kritisch zu bemerken ist bei solchen Studien immer, ob es denn wirklich am Kaffeekonsum liegt oder ob sich vielleicht Kaffeekonsumenten anders verhalten und insgesamt gesünder leben als Nicht-Kaffeetrinker. Dieser Störfaktor konnte zumindest in der aktuell veröffentlichen Studie weitestgehend ausgeschlossen werden, da dort viele weitere Faktoren wie das Körpergewicht, Zigarettenabhängigkeit und dergleichen miterfasst wurden.
Eine vergleichbare Studie zum Teekonsum ist mir nicht bekannt. Da das in Tee enthaltene Teein aber chemisch dem Koffein entspricht (nur langsamer aus dem Tee freigesetzt wird) und Koffein für den positiven Effekt nicht verantwortlich ist, kann man keine Rückschlüsse auf den Teekonsum ziehen.
Vielleicht etwas überspitzt kann man zusammenfassend sagen: Kaffeekonsum bis hin zu 8 Tassen am Tag ist gesund.

25.06.2018

Friluftsliv - Reduktion des chronischen Stresslevels durch Bewegung in der freien Natur

Die Gemeinschaftspraxis Am Gutspark hatte vor einigen Monaten schon die Praxisinformation "Aufenthalt in der freien Natur" herausgegeben. Dort hatten wir die vielfältigen positiven Effekte genannt, die der Aufenthalt/die Bewegung in der freien Natur auf u.a. auf Stimmung, Blutdruck, Blutzucker oder das Immunsystem hat.
Nun sind nach "hygge" scheinbar skandinavische Bezeichnungen en vogue. "Friluftsliv", übersetzt mit "Freiluftleben" konnte nun nach Untersuchungen des Instituts für Bewegungswissenschaften, Hamburg, eine signifikante Stressreduktion bewirken, die über das Trierer Inventar für chronischen Stress (TICS, nutzen auch wir in der Gemeinschaftspraxis Am Gutspark) standardisiert abgefragt wurde. Auch subjektive Werte wie der Nüchtern-Cortisolwert oder die Herzfrequenzvariabilität (HRV) besserten sich.
Planen Sie also wieder den sonntäglichen Familienspaziergang ein und gehen möglichst oft in die freie Natur. Sollten Sie wegen Streß oder streßbedingten Beschwerden krank geschrieben sein, sollte die Arbeitsunfähigkeit dazu genutzt werden, morgens und abends Spaziergänge in der freien, möglichst unberührten, Natur zu absolvieren.

13.06.2018

Hochintensives Zirkeltraining - eine effektive, zeitsparende Trainingsform

Schon länger ist bekannt, dass man mit hochintensivem Intervalltraining (Wechsel aus niedrigen Belastungsintensitäten mit maximalen Belastungsstufen) positive Trainingseffekte erzielen kann, die sich ansonsten nur über ein langwieriges, zeitintensives (Grundlagenausdauer-)Training erzielen lassen.
Eine Forschergruppe aus Frankfurt konnte nun zeigen, dass ein hochintensives, funktionelles 3x wöchentlich durchgeführtes, 15-minütiges Zirkeltraining (HIFZ) mit 20-sekündigen Phasen einer maximalen Belastung (z.B. in Form von Kniebeugen, Step-ups oder Burpees) und jeweils nachfolgenden 10-sekündigen Pausen auf verschiedene Variablen (motorische Funktion, Sportmotivation) einen besseren Effekt hatte als ein 3x wöchentliches Walkingtraining von jeweils 50 Minuten Dauer (Zeitbedarf: 45 min vs. 150 min)
Diese Beobachtung deckt sich mit unseren persönlichen Erfahrungen im Hinblick auf das sog. Grundlagenausdauertraining bei Rennradfahrern.

30.05.2018

Vitamin- und Mineralstoffpräparate ohne durchgreifenden Effekt auf Herzkreislauferkrankungen

In einer Metaanalyse die Studien in einem Zeitraum von 2012-2017 einschloß, zeigte sich ein eher ernüchternder Effekt von Mineralstoff- und Vitaminpräparaten auf Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlicher Herztod. Einzig Folsäure zeigte einen, wenn auch geringen, Nutzen. Vitamin C und Vitamin E zum Beispiel zeigten keinerlei positive Effekte. Warum keine positiven Effekte messbar waren, ist zur Zeit noch nicht klar. Entweder haben die Mineralstoff-/Vitaminpräparate keinen Effekt oder Patienten die solche Präparate nehmen verhalten sich anders und vernachlässigen z.B. die sportliche Betätigung oder ernähren sich schlechter, weil Sie ja schon "etwas für ihre Gesundheit tun". Das könnte etwaiige positive Effekte solcher Präparate wieder ausgleichen. (Studie aus „Journal of the American College of Cardiology“).

14.05.2018

vegane Ernährung - ein Risiko für die Schilddrüse?

Veganer ersetzen tierische Produkte häufig durch Sojaprodukte. Schon länger ist bekannt, dass diese die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen im Darm hemmen und es unter sojareicher Kost (über 30g Sojaprotein täglich) zu einem sogenannten Kropf (Struma) kommen kann.
Neuere Erkenntnisse konnten nun zwei weitere Effekte der in Soja enthaltenen Soja-Isoflavone identifizieren. Erstens wird ein körpereigenes Enzym (tyreoidale Peroxidase) gehemmt, welches bei der Bildung von Schilddrüsenhormon wichtig ist (der Körper produziert somit weniger Schilddrüsenhormon) und zweitens interagieren Soja-Isoflavone mit einem körpereigenen Eiweiß (Transthyretin), welches die Verteilung des Schilddrüsenhormons im Blut und in der Gehirnflüssigkeit (Liquor) regelt. Insbesondere der zweite Effekt ist für Neugeborene kritisch, da hier die Anwesenheit von Schilddrüsenhormon im Gehirn für die Ausreifung/Entwicklung des Gehirns entscheidend ist.
Die negative Effekt der sojareichen Ernährung auf die Produktion von Schilddrüsenhormon konnte glücklicherweise durch eine ausreichende Jodversorgung ausgeglichen werden. Da die größte Jodquelle bei uns der Seefisch darstellt und dieser von Veganern nicht gegessen wird, sollte deshalb eine Jodid-Substitution erwogen werden.
Der negative Effekt von Soja auf die Schilddrüsenhormonaufnahme im Darm spielt kaum eine Rolle, wenn die allgemeinen Einnahmehinweise zu Schilddrüsenhormonen beachtet werden (Einnahme mit Wasser wenigstens 30 Minuten vor dem Frühstück).

15.01.2018

Mikrobiota und Ballaststoffe

Als Mikrobiota (synonym: Darmflora) wird die Gesamtheit der Bakterien bezeichnet, die unseren Darm bewohnen. Auf diesem Feld wird aktuell intensiv geforscht. Interessant sind die Ergebnisse inwieweit wir durch unsere Ernährung Einfluß auf die Darmflora haben und was eine gestörte Darmflora im Körper alles bewirken kann.
Forscher der Uni Nürnberg konnten nun nachweisen, dass eine ballaststoffreiche Ernährung (z.B. Müsli zum Frühstück, viel Gemüse) die Darmflora so verändert, dass Keime im Wachstum gefördert werden, die mehr sogenannte kurzkettige Fettsäuren (u.a. Propionat und Butyrat) bilden. Diese Fettsäuren haben erwiesenermaßen einen positiven Einfluß auf Entzündungsvorgänge im Körper, z.B. bei Rheuma oder auch auf den Knochenstoffwechsel.
Daneben haben Ballaststoffe auch weitere bekannte positive Effekte. So sättigen sie ohne dass eine große Energiemenge in den Körper aufgenommen wird, und sie regulieren die Darmtätigkeit.
Leinsamen oder z.B. Flohsamenschalen stellen also eine gute Nahrungsergänzung insbesondere zum Frühstück dar, gerade auch für Patienten die unter chronisch-entzündlichen Erkrankungen leiden.

05.01.2018

Neue ernährungsmedizinische Erkenntnisse

Eine neue Studie im Lancet (Dehgan et al, Lancet Vol 390 10107, p. 2050-2062) konnte zeigen, dass eine fettarme Ernährung mit einer erhöhten (!) Sterblichkeit infolge Herzinfarkt und Schlaganfall einhergeht. Dieses betrifft ebenso eine kohlenhydratreiche Ernährung (was aber durch ältere Studien schon als gesichert galt). Interessanterweise war die Zusammensetzung der Fette (gesättigt, einfach ungesättigt, mehrfach ungesättigt) nahezu irrelevant für diesen Effekt.
Insofern sollte die Ernährung "low-carb" aber auch durchaus fetthaltig sein. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass eine fettreiche Kost auch mit einer Gewichtszunahme assoziiert ist, die den positiven Effekt dann wieder aufheben könnte. Auch sind Transfettsäuren (gehärtete Fette) weiterhin unbedingt zu vermeiden.

20.12.2017

mangelnde Fitness - ein unterschätztes Risikofaktor - "Sitzen ist das neue Rauchen"

Wer keinen Sport betreibt, hat ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Herzschwäche. Diese Tatsache ist schon lange bekannt, nur ist der Einfluß des moderaten Ausdauersports auf die Gesundheit nur selten an einer großen Patientenzahl gut untersucht worden.
Fasst man alle bekannten Studien zusammen, und da ist insbesondere die schon 2005 durchgeführte Studie der Cooperklinik in Dallas an über 32.000 Patienten zu nennen, so kann das Risiko des Bewegungsmangels bzw. der mangelnden Fitness in etwa mit dem täglichen Rauchen von 20 Zigaretten (!) verglichen werden. Ein Grund mehr, ein moderates Ausdauertraining durchzuführen um das persönliche Herzinfarktrisiko weiter zu minimieren. Gerne geben wir Ihnen hierzu weitere Informationen.

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